Attac fordert bedingungslosen Schutz der Wälder ohne Zertifikathandel — Niederrhein Zeitung®

Beim Klimagipfel der Vereinten Nationen in Cancún beobachtet das globalisierungskritische Netzwerk Attac mit besonders kritischem Blick die laufenden Verhandlungen zum Waldschutzprogramm REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation). Dabei soll die dringend notwendige Bereitstellung von Geld für den Waldschutz an einen Zertifikatehandel gekoppelt werden. «Mit dem Zertifikatehandel würde der Wald zur Ware und sein Schutz der Willkür des CO2-Marktes überlassen. Doch der Klimaschutz darf nicht verzockt werden!», sagte Kathrin Henneberger vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. «Die Industrieländer stehen in der Verantwortung, die Schwellen- und Entwicklungsländer finanziell dabei zu unterstützen, die Wälder zu schützen. Dazu sind sie auf Grund ihrer historischen Klimaschuld verpflichtet.» Brandrodungen und Abholzung sind global die zweitgrößten Verursacher von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Angesicht dessen sei ein effektiver Schutz des Waldes unerlässlich für echten Klimaschutz, betonte Attac. Erfahrungen zeigten aber inzwischen, dass ein Zertifikatehandel als Marktinstrument sehr viel weniger effektiv sei als eine Besteuerung oder ordnungspolitische Instrumente. Entstünden spekulative Blasen und sinke der Zertifikatwert, verliere auch der Schutz des Waldes an Wert. Ein Zertifikatehandel für Waldflächen würde nicht den Klimaschutz, sondern vor allem kurzfristige wirtschaftliche Interessen bedienen. Emissionsintensive Unternehmen könnten sich einfach freikaufen. «Unsere derzeitige Weltwirtschaftsordnung beruht auf der Ausbeutung von fossilen Ressourcen mit dem Ergebnis, Kapital für wenige zu sichern und zu vermehren. Mit neoliberalen Marktmechanismen wird versucht, den Klimaschutz in diese Ordnung zu integrieren. Doch echte Klimagerechtigkeit wird so nicht zu erlangen sein», sagte Kathrin Henneberger. «Die Funktionsweise der Weltwirtschaft muss sich den Herausforderungen des Klimaschutzes unterordnen und anpassen — nicht umgekehrt.»

(pressrelations)